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  • Im September verfärbt sich die Taiga in ein Feuerwerk aus Farben. Meine Freunde haben das Herbstlager in tieferer Lage bezogen.
  • Umgezogen wird je nach Wetter und Futter für die Tiere vier bis acht Mal im Jahr. Der Frühlingsumzug führt in die Berge, wo es kühler ist und es weniger Moskitos gibt.
  • Die Tuwas jagen zu jeder Jahreszeit. Nach frischen Schneefällen ist die Chance auf Erfolg aber am grössten.
  • Die Taiga ist eine klimatisch harte Gegend. Schon im August muss wieder mit dem ersten Schnee gerechnet werden.
  • Die Tipiartigen Zelte, bei den Tuwas Urts genannt, sind mit einem Blechofen ausgestattet. Es gibt weder Betten noch sonstige Einrichtungen. Geschlafen wird auf Fellen und Decken. Die Zelte sind auch im Winter nicht isoliert und bestehen nur aus einer Segeltuchplane.
  • In der Mongolei leben etwas über 1000 Tuwas. über 200'000 Tuwas leben in Russland in der autonomen Republik Tuwa. In der Mongolei sind nur noch 200 Tuwas nomadisierend.
  • Die noch nomadisierenden Tuwas, die noch traditionell leben, sind in zwei Stämme zu je 100 Menschen aufgeteilt. Die Tsun und Barun Täg. Meine Reisen haben mich immer zu den Zun Täg geführt.
  • Die Tsun Täg leben äusserst einfach. Im Sommer brennt in manchen Zelten ein offenes Feuer, um die Moskitos fern zu halten.
  • Der Tengis ist der grösste Fluss im Jagdgebiet meiner Tuwa Freunde. Er entwässert in den Shisged, der einer der Quellflüsse des Yeniseye ist.
  • Die Taiga um den Tschoschin See ist Natur pur. Keine Strasse und kein Haus existiert im Umkreis von 50 Kilometern.
  • Im Lager der Tsun Täg stehen meist acht bis zwölf Zelte. In jedem Zelt leben zwischen vier und acht Personen.
  • Bei den Tuwas werden die Rentiere geritten und beladen. Die Tuwas kennen im Gegensatz zu den Lappen und Tschuktschen keine Schlitten.
  • Damit die Rentiere fressen, aber nicht zu schnell weglaufen können wird der Kopf mit einem Seil zum Hinterhuf gebunden.
  • Die Rentiere werden gemolken. Seit einigen Jahren werden kaum noch Rentiere geschlachtet, da der Bestand nach einer Seuche sehr stark dezimiert wurde.
  • Da kaum Rentierfleisch gegessen wird, sind die Tuwas vor allem auf Feisch von der Jagd angewiesen. Bleibt dieses aus, dann wird meist Brot gegessen. Das Mehl muss allerdings wie alle Nahrungsmittel zu Pferd ins Camp gebracht werden.
  • Im Winter können die Temperaturen bis unter  -50°C fallen. Die Zelte sind im oberen Teil offen. Sobald der Ofen ausgeht herrscht im Innern des Zeltes die gleiche Temperatur wie draussen.
  • Im Gegensatz zum Rest der Mongolei fällt bei den Tuwas sehr viel Schnee. Ein Meter ist nichts besonderes. Für die Rentiere stellen diese Scheemengen aber keine Probleme dar.
  • Um die unisolierten Zelte warm zu halten, verbrennen die Tuwas Unmengen an Holz.
  • In der Nacht lässt man das Feuer ausgehen. Wenn das Zelt mit einem Ofen ausgestattet ist, braucht man Kerzen um am Abend Licht ins Zelt zu bringen.
  • In der Nacht werden die Rentiere, zum Schutz vor den vielen Wölfen, zu den Zelten gebracht. Erst am Morgen werden sie wieder freigelassen.
  • Bei den Tuwas ist Schamanismus allgegenwärtig. Hier werden die Bösen Geister vom neuen Lagerplatz vertrieben.
  • Bei den Tsun Täg gibt es zwei Schamaninnen. Die meisten Leute haben aber auch ihre eigenen Rituale, wie sie Krankheiten heilen und Böses abhalten können.
  • Schamant wird üblicherweise ab Mitternacht. Die Zeremonie dauert oft mehrere Stunden. Die Tuwa Schamanen verwenden meist eine Trommel und Alkohol um in Trance zu fallen und Kontakt mit der geistigen Welt aufnehmen zu können.
  • Der Trancezustand ist für einen Schamanen extrem kräfteraubend. Meist werden die Schamanen von einem instruierten Helfer überwacht, damit sie sich und Anwesende nicht verletzen und auch zurück in die irdische Welt finden.
  • Neben Schamanismus gibt es für die Tuwas kaum medizinische Versorgung. Die nächste Krankenstation mit einer Hebamme, aber ohne Arzt und Medikamente liegt zwei Tagesritte entfernt. Das nächste Spital ist über 400 Kilometer weit weg, in der Provinzhauptstadt Moron.
  • Da die Tuwas nicht mehr so viele Rentiere besitzen wie früher können und müssen sie nicht mehr allzu weit umziehen. Ein Teil der Rentiere wird immer wieder zurück ins alte Camp gebracht bis auch die letzte Familie im neuen Lager ist.
  • Der Weg führt im Frühling über steile Pässe. Hier müssen gefährliche Schneefelder passiert werden. Die Rentiere sind im Gegensatz zu Pferden sehr trittsicher und ruhig. Mit Pferden kann diese Route nicht begangen werden.
  • Die Rentiere tragen ein Last von bis zu 50 Kilogramm. Bei warmen Temperaturen leiden die Tiere schnell, da ein Wärmeaustausch über das dicke Fell fast nicht möglich ist.
  • Die Kinder werden von klein auf an die Rentiere gewöhnt und natürlich auch umgekehrt.
  • Am neuen Lagerplatz stehen die Holzstangen meist von einem vergangenen Jahr bereit. An ganz neuen Plätzen müssen sie frisch geschnitten werden.
  • In den Sommermonaten wird zu Pferd gejagt. Sobald es aber kälter wird steigen die Tuwas auf die Rentiere um.
  • Geschossen wir mit alten russischen Karabinern. Gejagt wird alles, vom Elch, Hirsch, Reh bis zum Bären, Wolf und Schaf. Seit aber immer mehr Mongolen in der Taiga jagen gehen wird es für die Tuwas immer schwieriger Wild zu schiessen.
  • Die beste Zeit zum Jagen ist Ende September, nach den ersten Scheefällen. Dann sind die frischen Spuren am besten zu sehen und die Hirsche und Elche sind brünftig.
  • Die Hirsche werden mit einem speziellen Rohr angelockt mit dem der Brunftruf des Hirsches nachgemacht werden kann.
  • Nur wenn die Männer Jagdglück hatten steht Fleisch auf der Speisekarte. Da die ganze Sippe davon isst, ist selbst ein Hirsch in wenigen Tagen verzehrt.
  • Der Herbst ist die schönste Jahreszeit in der Taiga. Nicht nur weil sich die Landschaft in ein Feuerwerk aus Farben verwandelt, sondern auch weil jetzt die beste Zeit zum Jagen ist.
  • Im Herbst sind auch Beeren und Nüsse reif. Vor den Zelten sieht es aus wie vor dem Bau eines Eichhörnchens. Schalen von Nüssen sind zu Bergen aufgetürmt.
  • Die Familie ist bei den Tuwas das Wichtigste. Jeder ist mit jedem verwandt. Die Kinder gehen von einem Zelt zum anderen und sind überall Zuhause.
  • Für die Kinder ist das Leben draussen in der Natur ein wunderbarer Spielplatz. Kein Auto weit und breit. Man kann überall und mit allem spielen. Man ist auch überall zu Hause und hat viele Freunde.
  • Das Leben in der Taiga ist alt. Die ältesten Männer und Frauen sind um die 60 Jahre alt.
  • Im Januar 2004 begleitete ich Gomb für 10 Tage auf einen Jagdausflug. Wir waren mit 10 Rentieren unterwegs.
  • Jeden Tag bauten wir unser kleines Tipi auf. Den Boden belegten wir mit den Aesten der Bäume, die wir als Gestänge brauchten. In der Mitte des Zeltes ist Platz für ein offenes Feuer.
  • Ein Feuer das nicht raucht in Gang zu halten, braucht jahrelange Erfahrung. Jedes Mal, wenn ich Holz nachlegte, war es wenig später im Zelt nicht mehr auszuhalten.
  • Gomb hält Ausschau nach Wild. Leider hatten wir die ganzen 10 Tage kein Jagdglück und kehrten mit lehren Händen zurück zum Lager.
  • Unser einsames Lager mitten in der Wildnis. Wenn ich etwas gelernt habe bei den Tuwas, dann ist es mit wenig unterwegs zu sein. Ausser einem Schlafsack, den Planen fürs Zelt, die auch gleichzeitig Sattelunterlage sind, einem Topf, einer Axt und einigen Kilos Mehl und Reis hatten wir nichts an Ausrüstung dabei. Und das bei Temperaturen von bis zu -40°C!
  • Das grösste Fest der Tuwas in der Mongolei ist von den Mongolen übernommen wurden. Zagan Sar, weisser Monat, findet immer im Februar statt. Es ist ein Familienfest. Bei uns vielleicht mit Weihnachten zu vergleichen.
  • Für mich war es eine besondere Ehre mit Gomb und Zindali von Zelt zu Zelt zu ziehen und Verwandte zu besuchen. Es ist auch üblich, dass man sich gegenseitig Geschenke macht. Vor allem die Alten werden beschenkt.
  • Natürlich wird an Zagan Sar auch viel getrunken und gegessen. Schon bald herrscht eine ausgelassene Stimmung.
  • Vor allem die Männer haben den Wodka-Konsum nicht wirklich im Griff. Die meisten trinken wirklich bis zur Bewusstlosigkeit. Und dies oft während mehrerer Tage, bis kein Alkohol mehr da ist.
  • Zagan Sar kann mehrere Tage ja Wochen dauern, je nach dem wieviel zu essen und zu trinken vorhanden ist und wieviele Besuche man über diese Tage und Wochen bekommt.
  • Auf einem der vielen gemeinsamen Jagdausflüge hatte mir Gomb erzählt, dass er 40 Jahre nicht mehr in einer Stadt gewesen ist.
  • Gemeinsam machten wir uns im Herbst 2004 mit meinem russischen Motorrad auf die 1000 km lange Fahrt nach Ulan Bator.
  • Gomb verbrachte die Nächte lieber draussen unter der Plane, so wie er es von der Jagd gewohnt ist. Von Restaurants und Herbergen hält er nichts. Da hat es zu viele Leute.
  • Eine "Autobahnraststätte" wie diese war ganz nach Gombs Wünschen. Keine anderen Leute weit und breit.
  • Nach einer Woche haben wir es geschafft: Wir stehen vor der Hauptstadt. 40 Jahre ist es her, seit Gomb zum letzten Mal hier war.
  • Ein Hotelzimmer, Fernsehen, Wassertoilette.... All dies ist neu für Gomb und mir wird deutlich vor Augen geführt in wieviel selbstverständlichem Luxus wir leben.
  • Gemeinsam erkunden wir die Hauptstadt. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Denkmäler und Museen besucht.
  • Für Gomb ist allerdings der Besuch im Supermarkt viel aufregender, als der Besuch im Museeum oder im Kloster.
  • Der grosse Schwarzmarkt in Ulan Bator ist Gomb schon fast ungeheuer. So viele Menschen und so viele Sachen. Ueberhaupt macht Gomb keinen Schritt ohne mich aus dem Hotelzimmer, all die Leute machen ihm Angst und vor allem findet er sich in der Stadt nicht zurecht. Hier sieht alles gleich aus. Hier finde ich nie zurück ins Hotel.
  • Gerne macht er sich eine Woche später wieder auf den Weg zurück in die Taiga. Zurück in die Ruhe der Natur, wo er sich auskennt und vor allem auch wo er alle Leute kennt.
  • Die Anreise bis Zagan Nuur war immer ein Abenteuer für sich. Im Frühling, Sommer und Herbst war ich immer mit meinem Motorrad unterwegs. Meist dauerte die Reise über eine Woche.
  • Im Winter war ich mit einem 4-Rad Bus und einem Fahrer, den ich gut kannte, unterwegs. Aber auch diese Fahrten wurden stets zum Abenteuer.
  • Zum Glück kannte mein Fahrer alle Tricks. Am Morgen wurde der Motor stets mit einem Flammenwerfer aufgewärmt.
  • Von Tsagan Nuur ging es dann meist zwei bis drei Tage zu Pferd weiter, bis ich bei den Tuwas war. So dauerte die Anreise ab Ulan Bator bis zu den Tuwas immer um die 10 Tage.
  • Im Winter gibt es eine kleine Erleichterung. Man kann über den gefrorenen Hubskul See sehr bequem und schnell in den Norden fahren.
  • Landschaft auf dem Weg zu den Tuwas.
  • Landschaft auf dem Weg nach Tsagan Nuur.
  • Die Taiga, Jagdgebiet meiner Tuwa Freunde.
  • Unterwegs zum Tschoschin Nuur, meinem Lieblingsplatz in der Taiga.
  • Der Tschoschin Nuur im Morgennebel. Hier konnte ich viele hunderte wunderschöne Naturaufnahmen machen.
  • Zwei Freunde verabschieden sich von Ihnen und sind überrascht, dass Sie so lange durchgehalten haben.

TUWA

Unterwegs mit den letzten Rentiernomaden der Mongolei

Im geographischen Mittelpunkt Asiens, weit weg vom Lärm der Welt, lebt ein fast unbekanntes Volk: die Tuwa, die letzten Rentiernomaden und Jäger, deren Wohnen in Tipis an die nordamerikanischen Indianer erinnert. Fasziniert von der Kultur und der Ursprünglichkeit ihres Lebens, verbrachte Andreas Hutter in den vergangenen fünf Jahren insgesamt über ein Jahr im Grenzgebiet zwischen Russland und der Mongolei.

Mit Gomb, dem Sippenältesten, der ihn wie einen Sohn behandelt, ist über die Jahre eine tiefe Freundschaft entstanden. Gemeinsam verbrachten die beiden viele Wochen in der Taiga auf der Jagd. Andreas Hutter begleitete Gombs Familie beim Umzug, brachte seine Kinder in die 50 Kilometer entfernte Schule und war beim Sammeln von Beeren und Nüssen und beim Holzen helfend dabei. Da Gomb 40 Jahre keine Stadt mehr gesehen hatte, reisten die beiden mit Hutters Motorrad nach Ulan Bator. Zwei Jahre später machten sie sich auf die Suche nach Gombs Verwandten in Sibirien. Diese hatte Gomb seit über 50 Jahren nicht mehr gesehen.


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